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Geografische Redundanz von Rechenzentren - welche Abstände fordern Normen und Behörden?

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Natur- und Umweltrisiken, großflächige Stromausfälle oder politische Ereignisse können ein ganzes Stadtgebiet gleichzeitig treffen. Um die Verfügbarkeit kritischer IT-Systeme dennoch sicherzustellen, verlangen viele Normen und Frameworks eine „räumliche Trennung“ redundanter Rechenzentren. Doch wie groß muss dieser Abstand konkret sein? Die Bandbreite reicht, je nach Norm und Risikoszenario, von wenigen Kilometern bis hin zu mehreren hundert Kilometern. Im Folgenden werden die wichtigsten deutsch‐ und international anerkannten Regelwerke zusammengefasst und anschließend mit den Entfernungen unserer Datacenter in Berlin, Chemnitz und Erfurt in Beziehung gesetzt.

BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)

  • IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein INF.13 „Rechenzentrumsbetrieb“ und SYS.3.4 „Ausweichrechenzentrum“
  • Das BSI legt keine starre Entfernung fest, sondern verlangt eine Risikoanalyse.
  • Für typische Stadt- oder Regionalereignisse wird als Faustwert oft ≥ 5 km (anderes Stadtviertel) genannt.
  • Für überregionale Ereignisse („Großkatastrophe“, z. B. Elbe-Hochwasser 2002) empfiehlt BSI eine Trennung von ≥ 100 km.
  • BSI-Standard 200-4 (Notfallmanagement) konkretisiert:
  • „Ausweichstandort muss außerhalb des gefährdeten Gebietes liegen“; Beispiele 20 – 200 km je nach Risiko­betrachtung.
  • KRITIS-Handreichungen: Betreiber kritischer Infrastrukturen sollen „räumlich getrennte“ Standorte nutzen; konkrete Kilometerangabe wird dem Schutzbedarfs- und Szenario-Assessment überlassen.

Europäische und internationale Normen

  • EN 50600-2-x / ISO/IEC 22237 (Nachfolger von EN 50600)
    • Verlangt eine standortspezifische Gefahrenanalyse (Hochwasserzonen, Gleisanlagen, Flugschneisen u. a.).
    • Keine fixe Distanz, aber der zweite Standort darf nicht demselben Risiko­gebiet ausgesetzt sein (z. B. gleiche Überschwemmungsfläche).
  • ANSI/TIA-942-B (Annex G, 2017)
    • Gibt Orientierungswerte: 40 – 60 Meilen (≈ 64 – 96 km) Abstand und „außerhalb derselben Metropolregion“.
  • Uptime Institute Tier Topology + „Site Infrastructure Resiliency“
    • Klassische Tier-Zertifizierung behandelt nur einen einzelnen Standort.
    • Für geografische Redundanz bewertet Uptime vielmehr die Trennung von Versorgungsnetzen (Strom, Telekom, Wasser) und Gefahrenzonen, ohne starre Kilometerangabe.
  • NIST SP 800-34 r1 (USA)
    • Empfiehlt 25 – 50 Meilen (≈ 40 – 80 km) „sufficient distance“.
  • ISO 22301 (Business Continuity Management)
    • Enthält keine Zahlenwerte; fordert risikobasierte Auswahl.

Wissenschaftliche Empfehlung des Fraunhofer-Instituts

In Projektstudien zur Auslegung hochverfügbarer Rechenzentren nennt Fraunhofer häufig eine Mindestdistanz von 80 km (≈ 50 Meilen), um „gleichzeitige Beeinträchtigungen durch Naturgefahren, Stromversorgungs­ausfälle und Netzinfrastrukturstörungen“ auszuschließen. Diese 80-km-Schwelle wird branchenübergreifend als pragmatischer Kompromiss genutzt, wenn keine eigene Risiko­analyse vorliegt.

Vergleich der Forderungen

Quelle
Konkrete Distanz
Kontext
BSI IT-Grundschutz
5 – 100+ km (risikobasiert)
Stadtteil bis Großkatastrophe
BSI 200-4 BCM
20 – 200 km
Szenarioabhängig
EN 50600 / ISO 22237
keine Zahl
Risikoanalyse
ANSI/TIA-942-B
64 – 96 km
„anderen Metrobereich“
NIST SP 800-34
40 – 80 km
US-Behörden
Fraunhofer
≥ 80 km
allgemeine Empfehlung

Einen „gesetzlichen“ Mindestabstand gibt es nicht. Die meisten Vorgaben verlangen, dass aus der Gefahren- und Versorgungsanalyse ein angemessener Abstand resultiert. Typische Praxiswerte liegen jedoch bei 50–100 km, wenn Hochverfügbarkeit ohne eigene Detailanalyse umgesetzt werden soll.

Unsere Datacenter-Topologie

Standorte

  • Berlin (BX)
  • Chemnitz (CH)
  • Erfurt (EF)

Entfernungen (Luftlinie)

  • Berlin - Chemnitz: 190 km
  • Berlin - Erfurt: 237 km
  • Chemnitz - Erfurt: 134 km

Einordnung in die Normen

  • Alle drei Paare überschreiten deutlich die 80-km-Empfehlung des Fraunhofer-Instituts.
  • Gegenüber BSI-Empfehlungen sind wir sowohl jenseits der 5-km- (Stadt) als auch der 100-km-Schwelle (überregional) und liegen damit im sicheren Bereich für Szenarien wie Hochwasser, Stromausfallverbunde oder großflächige Telekom-Störungen.
  • Die Standorte liegen in drei Bundesländern und an verschiedenen Strom- und Glasfaser­trassen (separate Netzknoten in 50Hertz / TenneT-Regelzonen und unterschiedlichen DE-CIX/BCIX-Peering-Pfaden). Das erfüllt die Forderung von EN 50600 und Uptime, dass keine gemeinsamen „single points of failure“ in kritischen Versorgungswegen existieren.
  • Für Kunden mit regulatorischen Vorgaben (z. B. KRITIS, Finanz- oder Gesundheitssektor) können wir damit eine normkonforme georedundante Infrastruktur anbieten, ohne auf externe Rechenzentrums­betreiber ausweichen zu müssen.

Während internationale Normen wie EN 50600 oder ISO 22301 die genaue Entfernung bewusst offenlassen, kristallisiert sich in der Praxis ein Bereich von 50-100 km als Mindestabstand heraus. BSI-Publikationen und Fraunhofer-Studien bestätigen diesen Wert und fordern darüber hinaus eine fundierte Risikoanalyse zu Versorgungsnetzen und Naturgefahren. Mit 134-237 km Abstand zwischen unseren Datacentern in Berlin, Chemnitz und Erfurt liegen wir deutlich oberhalb aller genannten Richtwerte und bieten damit eine robuste Grundlage für hochverfügbare, regulatorisch konforme IT-Services.

 

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